In einer Diskussion unter Branchen-Insidern kam neulich die Frage auf, ob die Kommunikationsbranche und insbesondere die Szene, die sich mit Livekommunikation beschäftigt, noch „hip“ ist. Früher galten Werber als „hip“. Sie waren oft Trendsetter, was Moden, Gadgets, Kunst, Lifestyle, Haltungen, Urlaubsziele, In-Restaurants oder auch Kultur angeht und konnten sowohl neue Strömungen früh entdecken als auch dabei eine gewisse Lässigkeit ausstrahlen. Was häufig auch mit einem gewissen nonchalanten Selbstbewusstsein verbunden war: Man war cool, aber nicht zu sehr bemüht darum.
Das war in der Regel abseits vom „Mainstream“. Viele „hippe“ Menschen oder Gruppen definierten sich gerade dadurch, dass sie abseits des Massengeschmacks unterwegs waren, bevor Trends allgemein bekannt wurden. Man könnte also sagen: Hip zu sein heißt, den Zeitgeist zu verstehen und ihm entweder voraus zu sein oder ihn auf eine besonders stilvolle Weise zu reflektieren.
Gilt das heute noch? Oder kann das weg in einer Welt, wo sich Werber und Kommunikatoren häufig nur noch mit den profanen Dingen zwischen den Polen „Budget“ und „Effizienz“ beschäftigen müssen?
Meine persönliche Beobachtung würde ich so definieren: Youngster aus dem Lager klassischer Werber zeigen sich auch heute noch eher unkonform, was sich aber im Laufe der Jahre dann irgendwann „verwächst“. Menschen in der Livekommunikation sind da generationsübergreifend anders, kommen lässig und welterfahren rüber, aber dabei etwas konservativ und vielleicht sogar „angestaubt“.
Ist das so oder ist das nur meine persönliche Wahrnehmung? Muss man darüber überhaupt nachdenken? Ich meine ja, weil „hip“ sein natürlich nicht nur eine äußere Ausstrahlung hat, sondern auf einer Haltung, Wahrnehmung der Umwelt, Auseinandersetzung mit Entwicklungen, Beobachtungen von Gesellschaft und Kultur sowie einer Prise Nonkonformität beruht, um auf dieser Basis aufregende, kreative Ideen und Projekte zu entwickeln.
Ich befürchte, das ist verloren gegangen. Oder zumindest verschüttet unter zu vielen „durchschnittlichen Erlebnissen“. Hoffentlich nicht für immer . . .
Herzlichst
Ihr Peter Blach
(Der Beitrag erschien als Editorial in BlachReport 04.2025)